Frankreich: Türkischstämmige Politikerin darf nicht an Wahlen teilnehmen
Sie hat nichts gesagt, nichts Falsches verkündet, keinen Skandal produziert und auch sonst hat sich ihr Verhalten überhaupt nicht von dem anderer Parteimitglieder unterschieden. Der einzige Grund für ihren Ausschluss war ihre Nationalität: Sirma Oran ist Türkin, und das wurde zum Verhängnis für ihre politische Karriere. Kurz vor den Lokalwahlen muss sie aus der Partei austreten.
Islamophobie in Frankreich: Jean Paul Bret
Begonnen wurden die Schikanen gegen sie von Jean Paul Bret, dem sozialistischen Bürgermeister der Stadt Villeurbanne. Dieser war wohl so erschreckt darüber dass tatsächlich eine Türkin auf der Wahlliste der grünen Koalitionspartei auftaucht, dass er sofort eine „Klarstellung“ seitens Oran über ihre Herkunft gewünscht hat. Als Türke ist es anscheinend Pflicht Selbstauskunft über sich zu geben, um seine Grundrechte nutzen zu dürfen. Oran hat sich diesem Wunsch nicht widersprochen, und musste sich mit Leitern verschiedener Armenien-Vereinen, den Vorsitzenden der Grünen Partei und der Parti Socialiste an einen Tisch gesetzt, und „Auskunft“ über ihre Herkunft gegeben. In diesem Gespräch wurde sie aufgefordert zu sagen, dass es einen Völkermord an den Armeniern gegeben hat – was sie überraschender Weise auch getan hat. Jean-Paul Bret war ebenfalls über ihr „Geständnis“ erstaunt, worauf er die Sitzung kurz abbrach und sich mit seinen armenischen Kollegen über den weiteren Fortgang des Gesprächs beraten hat, da sein Ziel keine Einigung mit Oran war, sondern ihr Ausschluss. Nach der Pause hatte Jean-Paul Bret neue Forderungen an Oran: Sie soll jedes Jahr ein Völkermord-Denkmal besuchen, öffentlich den Völkermord verurteilen und sich von der Türkei, ihrer Heimat, distanzieren. Oran schwieg, darauf schaute Bret ihr in die Augen und schrie: „SPRICH MIR JETZT NACH: ICH AKZEPTIERE DASS ES EINEN VÖLKERMORD AN DEN ARMENIERN GAB“. Oran war geschockt, und antwortete: „Ihr sagt dass ihr gegen den türkischen Paragrafen 301 seid, was ihr hier jedoch macht ist noch viel schlimmer als dieser Paragraf!“ Damit wurde das Gespräch beendet. Sie verkündete ihren Austritt aus der Politik mit der Begründung, aufgrund ihrer ethnischen Herkunft in der Partei auch in der Zukunft keine Ruhe mehr bekommen zu können.
Was jedoch sehr ironisch an der Sache ist: Sirma Oran ist die Tochter des linksliberalen Politikers Baskin Oran, der in der Türkei des Öfteren gefordert hat sich den Armeniern anzunähern, und Beziehungen zum armenischen Staat zu pflegen. Er war ein guter Freund des ermordeten Journalisten armenischer Herkunft Hrant Dink, und hat selber Artikel für seine Wochenzeitung Agos verfasst. Man kann also davon ausgehen dass auch seine Tochter „Armenierfreundlich“ ist. An der Meinung kann ihr Ausschluss aus der Partei also nicht liegen.
Für den Ausschluss gibt es nur einen Grund: Ihre Herkunft. Jean Paul Bret ist bekannt für seine Zugeständnisse an die armenische Diaspora, und auch dieses mal hat dieser offensichtlich korrupter Politiker ihr einen Gefallen getan: Zunächst hat man geplant, Sirma Oran zu einem Statement zu bringen, indem sie den Völkermordsbegriff ablehnt, um sie dann auf scheinbar empörter Weise aus der Partei auszuschließen, um das Abstreiten des so genannten Armenischen Völkermords nicht gesellschaftsfähig darzustellen. Als dieser Plan fehlgeschlagen ist, hat man sich zusammengesetzt und schnell einen Plan-B kreiert: Sirma Oran soll in der Öffentlichkeit so oft wie möglich erwähnen dass es einen Völkermord gäbe, und ihn verurteilen. So hätte man nach Taner Akcam einen weiteren „Vorzeigetürken“ der seine „eigenen Verbrechen nicht leugnet“. Orna Sirmak wollte sich nicht auf ein Werkzeug und Druckmittel der armenischen Diaspora reduzieren. Damit war der armenophile Jean Paul Bret nicht einverstanden, und schickte sie kurzerhand aus der Partei.
Die eigentliche Partei Orans, die Grünen, ist auch nicht erfreut über das Diktat des großen Koalitionspartners, müssen es jedoch akzeptieren. So sagte die Grünen-Sprecherin Béatrice Vessilier dass „niemand erwartet hat, dass es so weit kommt“ und sie selbst es mir ihrer „politischen Ethik“ nicht vereinbaren kann. Sie sagte weiter dass Brets Forderungen „nicht einfach erfüllbar“ waren, Bret selbst beschreibt sie als „extrem eifrig in armenischen Angelegenheiten“
Auch sonst werden Türken in Frankreich diskriminiert, beklagt Ali Gedikoğlu, Vorsitzender der COJEP, einem französischem Integrationsverein. Er sagt dass solche Fälle verhäuft vorkommen, und Türken in Frankreich sehr oft Opfer von Diskriminierung werden.
Wenn man sich die fremdenfeindliche Entwicklung in Frankreich anschaut, muss man leider mit dem Schlimmsten rechnen: Holocaustleugner und Neo-Nazi Le Pen wird von 15% der Franzosen gewählt, bewusste Ghettobildung um Paris, „Machtergreifung“ des migrantenfeindlichen Sarokzys, Straßenrebellionen in den Banlieues und jetzt kategorische Ausgrenzung türkischstämmiger Franzosen. Die Islamophobie blüht in Frankreich.


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