Erdogan & Karamanlis: Die Ägäis wird zum „Meer des Friedens“
Erdogan & Karamanlis: Die Ägäis wird zu „Meer des Friedens“
Der griechische Premierminister Karamanlis ist ab heute für 3 Tage zu Gast im großen Nachbarland seines Staates, der Türkei. Damit gelingt Erdogan und Karamanlis das was die Staatchefs der letzten 50 Jahre nicht geschafft haben: Trotz der vielen historischen und auch aktuellen Konflikte der beiden Nationen sitzt man zusammen an einem Tisch. Bedenkt man die vielen Konfliktherde der beiden Länder ist es umso erfreulicher, dass die Premiers den ersten Tag mit dem Ziel beendet haben, die Ägäis, das Meer welches die beiden Staaten trennt, zu einem „Meer des Friedens“[1] zu transformieren.
Um dies zu erreichen hat man jedoch noch einen langen Weg vor sich, da sich in den letzten Jahrzehnten viele Probleme angehäuft haben. Alle anliegen der Länder hat man diskutiert, und im Großen und Ganzen war man sich einig.
Zypern
Beide Staatschefs befürworten eine Wiedervereinigung der Insel, die seit einem Putsch griechischer Nationalisten und den folgenden Pogromen an der türkischen Bevölkerung im Jahr 1974 geteilt ist. Karamanlis sagte dass die „letzte Mauer Europas beseitigt werden“ müsse. Im Rahmen des Weltsicherheitsrates und der EU soll nach einer Lösung gesucht, und die letzte Mauer Europas gestürzt werden.
Erdogan betonte dass mit dem 2004 von der griechischen Seite abgelehnten Annan–Plan eine Chance für die Insel vergeben wurde. In einem Referendum wurde der von der UN erstellte Wiedervereinigungsplan von einer knappen Mehrheit der Zyperntürken angenommen, von den Griechen jedoch mit deutlicher Mehrheit abgelehnt, da sie ihn als pro-türkisch ansahen.
Ägäisinseln
An der Ägäisküste der Türkei befinden sich mehrere kleine Inseln, die zum Teil der Türkei und zum Teil auch zum griechischen Hoheitsgebiet gehören. Lange Zeit gab es Streitigkeiten darüber, wem denn welche Insel gehört, da einige Inseln von beiden Staaten beansprucht wurden. Dementsprechend ist nicht hundertprozentig geklärt wo welches Hoheitsgewässer endet. Griechen und Türken haben sich in der letzten Zeit vermehrt gegenseitig vorgeworfen, ihr eigenes Hoheitsgewässer zu verlassen. So beklagte die Türkei zum Beispiel griechische Fischer- und Marineboote auf ihrem Gebiet[2]. Für einen weiteren Skandal sorgte die griechische Küstenwache, als sie im Januar 2008 13 illegale Einwanderer aus Afrika in türkisches Gewässer abgelassen hat.[3] Griechen hingegen berufen sich auf ähnliches Verhalten der Türken. Im Endeffekt handelt es sich hier um ein Säbelrasseln der beiden Armeen, welche sowohl in Griechenland als auch in der Türkei einen sehr hohen Stellenwert haben.
Die Premierminister sprachen sich auch hier für Kooperation aus. Erdogan sagte dass die kommende Zeit als Chance genutzt werden sollte, um solche und ähnliche Disparitäten in allen Bereichen endgültig aus der Welt zu schaffen. Das Ägäische Meer, das die beiden Länder verbindet, soll zum „Meer des Friedens“ werden, so Erdogan.
Minderheiten
Karamanlis forderte die Türkei auf die Minderheitenrechte der griechisch-christlichen Minderheit in der Türkei weiter zu tolerieren. Er bat außerdem, die Theologische Akademie von Chalki, welche sich auf einer türkischen Insel befindet, zu restaurieren und in Betrieb zu nehmen. Die Akademie galt als wichtigste Ausbildungsstätte der orthodoxen Welt. Erdogan sprach die türkische Minderheit Griechenlands an, und sagte dass die Minderheiten die wichtigste Brücke zwischen den beiden Nachbarstaaten wären, eine Entwicklung hinsichtlich der Chalki-Akademie soll ebenfalls im Gange sein.
Die Regierung in Ankara kam letztes Jahr unter Druck, nachdem mehrere christliche Missionare und Priester in der Türkei ermordet wurden. Erdogan kündigte diesen Organisationen den Krieg an. Kurz vor dem Besuch Karamanlis wurde eine Gruppe von 33 Nationalisten nach Hausdurchsuchungen festgenommen, es handelte sich hierbei höchstwahrscheinlich um die Drahtzieher verschiedener Morde an Christen. Auf ihrer Todesliste soll auch der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk gewesen sein. Die Türkei feiert diese Festnahmen als Schlag gegen die Mafia.

Türkische Streikräfte begrüßen Karamanlis (Foto: CNN TÜRK.com)
EU-Beitritt
Griechenland ist ein kontinuierlicher Befürworter des türkischen EU-Beitritts. Die beiden Länder haben dutzende bilaterale Abkommen in allen Bereichen, vor allem in der Wirtschaft und in der Energieversorgung. Vor kurzem wurde ein türkisch-griechisches Gaspipelineprojekt fertig gestellt.[4] Diese soll zentralasiatisches Erdgas über die Türkei nach Europa befördern, um die EU von ihrer Abhängigkeit bezüglich Erdgaslieferungen gegenüber Russland zu befreien. 2007, fast auf den Tag genau ein Jahr vor diesem treffen, kaufte die Griechische Nationalbank die türkische Finansbank fast komplett auf, und besitzt somit die fünftgrößte Bank der Türkei. Die Türkei ist eines der wichtigsten Exportländer Griechenlands. Es ist vor allem im wirtschaftlichen Interesse Griechenlands, die Türkei in die EU aufzunehmen.
Insgesamt kann man sagen dass sich die Freundschaft der beiden Mittelmeerstaaten verbessert. Vor 10 Jahren noch war so etwas undenkbar, 1996 noch brach, aufgrund eines Inselkonflikts, fast ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus. Ab 1999, nachdem 2 Erdbeben in Istanbul und Athen verheerenden Schaden anrichteten und die beiden Staaten sich gegenseitig bei der Bergung von Menschen halfen änderte sich das. Heute, keine 10 Jahre später sind die Türkei und Griechenland untrennbare Wirtschaftspartner geworden, die auch die Kulturen des anderen respektieren.
Nun liegt es in den Händen der Zyprioten, die griechisch-türkischen Konflikte völlig aus der Welt zu räumen, und ein vollkommen neues Kapitel in ihrer Geschichte zu öffnen.
[1] CNN TÜRK.com - “Ege denizi, barış denizi olmalı”[2] Yunan Sat Komandoları Kardak’ta[3] Griechenland soll Flüchtlinge vor türkischer Küste ausgesetzt haben[4] Greece-Turkey Gas Pipeline link Inaugurated to connect Caspian, Mediterranean, Western Europe
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